Dolores Schmidinger liest: Hannerl und ihr zu klein geratener Prinz. Roman

Ein entlarvender Roman über Österreich in Kriegs- und Krisenzeiten - Moderation: Dr. Wolfgang Burtscher

Freitag, 4. März 2022 - 19:30

Wir schreiben das Jahr 1938. Bei der „Gewerkschaft der Arbeiter im Lebens- und Genussmittelgewerbe“ treffen die quirlige Sozialdemokratin Johanna Deweis, die ihre Karriere fest im Blick hat, und der linkische Erzkatholik Josef Schmidinger, der sich als Tenor auf den Bühnen der Welt wähnt, aufeinander. Trotz aller Unterschiede kommt sich das ungleiche Paar näher – aber ob diese Verbindung auf Dauer gutgehen kann?

Schauspielerin und Kabarettistin Dolores Schmidinger taucht mit dem ihr eigenen fatalistischen Humor in die (Un-)Tiefen ihrer Familiengeschichte ein und entwirft ein Panoptikum an eigenwilligen Charakteren: Freigeister und Revoluzzer, Genussmenschen und Selbstverleugnerinnen, glühende Nationalsozialisten und bigotte Mitläufer. Entlang der Lebenslinien ihrer Eltern und Großeltern liefert Schmidinger eine mit spitzer Feder geschriebene Parabel darauf, wie Lebensträume am Alltag zerschellen, Frauen sich (noch immer) für Männer klein machen – und nicht zuletzt darüber, wie Mitläufertum in Zeiten einer Diktatur zum Normalfall wird.

Dolores Schmidinger, geboren 1946, polarisiert mit ihrer manchmal brutalen Ehrlichkeit wie kaum eine andere. Mit Programmen wie „Die nackte Matrone“, „Domina im Ausverkauf“ und „Unartig“, aber auch ihren Bestsellern „Bulimie: Raus damit!“ (Orac) und „Ich hab sie nicht gezählt“ (Kremayr & Scheriau) untermauerte sie ihren Status als Tabubrecherin. Seit vielen Jahren engagiert sie sich für Frauenrechte, gegen Antisemitismus und Rassismus sowie in der Aidshilfe.